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Die Resilienz vom Rhein

Ich hatte netterweise zuletzt wieder mal im Rheinland zu tun, und da nun die (wenn auch nicht für alle verständliche) humorvolle 5. Jahreszeit im vollen Gange ist… Alaaf und Helau! … möchte ich mal einer Frage nachgehen, deren Inhalt meiner erneuten Wahrnehmung entspricht:

Sind Rheinländer stressresistenter?

Studien belegen, dass es in NRW weniger gestresste Menschen gibt als im süd- oder ost-deutschen Raum.

Stress Deutschland
Okay. Rheinländer scheinen aus irgendeinem Grund mit Stress besser klar zu kommen. Doch warum ist das so?
Ich habe selbst über 25 Jahre meines Lebens in NRW verbracht, und was ich immer wieder feststelle, wenn ich ins Rheinland komme: Die Menschen sind meist fröhlicher und haben stets einen flotten, frechen, humorvollen Spruch auf der Zunge. Außerdem lachen sie mehr. Ich betone an dieser Stelle nochmals, dass dies meine Wahrnehmung ist, wenn ich auch damit nicht allein bin.
Aber nehmen wir uns mal das Rheinische Grundgesetz vor. Vielleicht kann sich ja der ein oder andere etwas für sich herausziehen oder zumindest an der ein oder anderen Stelle einmal lachen, grinsen, schmunzeln… Das macht resilient!
Rheinisches Grundgesetz

Et Rheinisch Jrundjesetz

Artikel 1: Et es wie et es. („Es ist, wie es ist.“) Es gibt immer Sachen, die Sie nicht ändern können. Daher versuchen Sie diese zu akzeptieren, wie sie sind, versuchen Sie das Beste darin zu sehen und das Beste daraus zu machen und sie für sich zu nutzen.

Artikel 2: Et kütt wie et kütt. („Es kommt, wie es kommt.“) Veränderungen passieren Ihnen, machmal auch nicht von Ihnen initiiert. Es ist an dieser Stelle einfacher für Sie, wenn Sie diese Veränderungen annehmen und entsprechend darauf reagieren. Versuchen Sie darauf zu vertrauen, dass…

Artikel 3: Et hätt noch emmer joot jejange. („Es ist bisher noch immer gut gegangen.“) Egal, was bisher passiert, alles in allem war das Ende positiv oder das Negative war für irgendetwas anderes gut. Denken Sie daran, wenn Sie sich um die Zukunft sorgen.

Artikel 4: Wat fott es, es fott. („Was fort ist, ist fort.“) Es macht wenig Sinn, auf Dauer Menschen oder Themen hinterher zu trauern. Das zieht Sie weiter runter. Sie können nur wieder glücklich werden, wenn Sie loslassen.

Artikel 5: Et bliev nix wie et wor. („Es bleibt nichts wie es war.“) Sei offen für Neuerungen. Veränderung ist überall. Veränderung ist gut. Versperren Sie sich nicht und seien Sie offen dafür. Suchen Sie das Positive an der Veränderung.

Artikel 6: Kenne mer nit, bruche mer nit, fott domet. („Kennen wir nicht, brauchen wir nicht, fort damit.“) Veränderung ist – wie gesagt – gut, aber lernen Sie zu unterscheiden, welche von Ihnen sinnvoll und wichtig und welche unnötig sind. Seien Sie konstruktiv kritisch.

Artikel 7: Wat wells de maache? („Was willst du machen?“) Sie können viel selbst gestalten, allerdings nicht alles. Ein Stück weit müssen Sie Ihr Schicksal hinnehmen und akzeptieren, Fehler annehmen und aus ihnen lernen. Das ist eine stressbefreiende Kunst.

Artikel 8: Maach et joot, ävver nit zo off. („Mach es gut, aber nicht zu oft.“) Genießen Sie Ihr Leben ohne zu übertreiben. Leben Sie Ihr Leben mit Qualität, nicht mit Quantität. Achten Sie dabei auf Ihre Gesundheit.

Artikel 9: Wat soll dä Kwatsch/Käu? („Was soll das sinnlose Gerede?“) Menschen sind nicht immer ehrlich und gut. Fragen Sie ruhig nach, um Geschwafel von Ernsthaftigkeit unterscheiden zu können. Stellen Sie wie Kinder die Universalfrage: „Warum?“ Hinterfragen Sie und nehmen nicht alles als gegeben hin.

Artikel 10: Drinks de ejne met? („Trinkst du einen mit?“) Pflegen Sie Ihre Beziehungen. Die sind wichtig für uns Menschen – und dazu: Seien Sie hilfsbereit und selbstlos. Das tut nicht nur dem Anderen, sondern auch Ihnen gut und macht resilient.

Artikel 11: Do laachs de disch kapott. („Da lachst du dich kaputt.“) Humor ist wichtig und hilft, Stress abzubauen. Lachen Sie mehr und das täglich!

Falls Artikel 3 einmal nicht zutreffen sollte:

„Notstandsgesetz“: Et hätt noch schlimmer kumme künne. („Es hätte noch schlimmer kommen können.“) Vielleicht hilft dieser Spruch Ihnen, schneller die Geschehnisse anzunehmen.

„Wohlstandsgesetz“: Mer muss och jünne könne! („Man muss auch gönnen können.“) Neid und Missgunst machen auf Dauer krank. Gönnen ist wie Schenken und bereitet dem Nehmenden und Gebenden Freude. Lieben Sie Ihre Nächsten!

Anti-Stress-Gesetz: Mer muss sisch och jet jünne könne! („Man muss sich auch etwas gönnen können.“) Und wenn Sie es zum Schluss noch schaffen, sich selbst etwas Gutes zu tun, gelingt es Ihnen auch, sich gegen Stress besser zu wappnen. Denn wie wir alle wissen, wohnt nur in einem gesunden Körper auch ein gesunder Geist. Lieben Sie sich selbst! Die Voraussetzung für das Wohlstandsgesetz…

 

Ob es jetzt an Schicksalsgläubigkeit, Akzeptanz von Veränderungen oder ausgeprägtem Humor liegt, dass Rheinländer resilienter sind, kann ich mit Gewissheit natürlich nicht sagen.

Das Rheinische Grundgesetz beinhaltet allerdings viel, was sich jeder von uns mal durch den Kopf gehen lassen und vielleicht auf für sich übernehmen könnte.

Hinweg vom Suhlen im Negativen… (das Gehirn sucht dann automatisch nach weiterem Negativen) – hin zur Akzeptanz und Konzentration auf das Positive… und im Zweifelsfall an der ein oder anderen Stelle das Anstehende auch mal mit einer Portion Humor betrachten.

In diesem Sinne: Alaaf und Helau! Herzlichst, Ihre Alice Rosslenbroich